Deutscher Osten

Am 21. Oktober 2018 fanden in Polen Selbstverwaltungswahlen statt, während denen sowohl Bürgermeister, Gemeindevorsteher und Stadtpräsidenten, aber auch Kandidaten für Gemeinde-, Kreis- und Stadträte als auch den Sejmik in den einzelnen Woiwodschaften gewählt wurden.

An den Wahlen nahmen auch Kandidaten des Wahlkomitees der deutschen Minderheit teil. Die Kandidaten des Wahlkomitees der deutschen Minderheit erreichten in der Oppelner Woiwodschaft insgesamt 52 431 Stimmen, also etwa 12.000 mehr als vor vier Jahren! Im Sejmik der Woiwodschaft Oppeln hat die deutsche Minderheit 5 Mandate erlangt. Zu Ratsmitgliedern im Oppelner Sejmik wurden Rafał Bartek, Hubert Kołodziej, Roman Kolek, Edyta Gola und Zuzanna Donath-Kasiura gewählt.

Ein wichtiges Element der diesjährigen Wahlen waren Wahlen in die Landkreisräte.
• Im Landkreis Oppeln wurden für das Wahlkomitee der deutschen Minderheit insgesamt 15 871 Stimmen abgegeben, was 37,10% aller Stimmen und 12 Mandate für die DMi ausmacht.
• Im Landkreis Rosenberg wurden für das Wahlkomitee der deutschen Minderheit insgesamt 4 379 Stimmen abgegeben, was 18,36% aller Stimmen und 6 Mandate für die DMi ausmacht.
• Im Landkreis Groß Strehlitz wurden für das Wahlkomitee der deutschen Minderheit insgesamt 9 200 Stimmen abgegeben, was 38,13% aller Stimmen und 9 Mandate für die DMi ausmacht.
• Im Landkreis Krappitz wurden für das Wahlkomitee der deutschen Minderheit insgesamt 7 272 Stimmen abgegeben, was 33,59% aller Stimmen und 7 Mandate für die DMi ausmacht.
• Im Landkreis Kandrzin-Cosel wurden für das Wahlkomitee der deutschen Minderheit insgesamt 7 420 Stimmen abgegeben, was 22,87% aller Stimmen und 6 Mandate für die DMi ausmacht.
• Im Landkreis Neustadt wurden für das Wahlkomitee der deutschen Minderheit insgesamt 3 788 Stimmen abgegeben, was 18,04% aller Stimmen und 5 Mandate für die DMi ausmacht.
• Im Landkreis Kreuzburg wurden für das Wahlkomitee der deutschen Minderheit insgesamt 991 Stimmen abgegeben, was jedoch nicht gereicht hat einen Mandat zu erlangen!

Während der diesjährigen Wahlen haben in der Woiwodschaft Oppeln insgesamt 207 Personen aus den Reihen der DMi einen Mandat im Gemeinderat erlangt. Zu Bürgermeistern/Gemeindevorstehern aus den Reihen der deutschen Minderheit wurden gewählt:

• Tomasz Kandziora – Gemeindevorsteher der Gemeinde Reinschdorf
• Piotr Kanzy – Gemeindevorsteher der Gemeinde Groß Neukirch
• Rajmund Frischko – Gemeindevorsteher der Gemeinde Czissek
• Marek Śmiech – Gemeindevorsteher der Gemeinde Walzen
• Łukasz Jastrzembski – Bürgermeister der Gemeinde Leschnitz
• Brygida Pytel – Gemeindevorsteher der Gemeinde Stubendorf
• Marcin Wycisło – Gemeindevorsteher der Gemeinde Himmelwitz
• Florian Ciecior – Gemeindevorsteher der Gemeinde Chronstau
• Włodzimierz Kierat – Gemeindevorsteher der Gemeinde Radlau

Darüber hinaus wurden auch Bürgermeister und Gemeindevorsteher gewählt, die von der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien unterstützt wurden:

• Andrzej Kasiura – Bürgermeister der Stadt Krappitz
• Leonard Pietruszka – Gemeindevorsteher der Gemeinde Comprachtschütz
• Joachim Wojtala – Bürgermeister der Stadt Gogolin
• Krzysztof Ficoń – Gemeindevorsteher der Gemeinde Birawa
• Sybila Zimerman – Bürgermeisterin der Stadt Deschowitz

Hingegen in 5 Gemeinden, in denen das Wahlkomitee der deutschen Minderheit seine Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters/Gemeindevorstehers gestellt hat, wird sich die Situation während dem zweiten Wahlgang am 4. November 2018 entscheiden.

Das Wahlkomitee der deutschen Minderheit möchte sich für die abgegebenen Stimmen bedanken. Dank diesen Stimmen wird es möglich sein sowohl eine aktive Rolle bei der Schaffung einer Zivilgesellschaft auszuüben. Durch das Engagement des sozialen Lebens unserer Minderheiten können wir weiterhin die kulturelle Vielfalt fördern, als auch zum zweisprachigen Schulwesen für unsere Kinder beitragen und für moderne Lösungen im Bereich der Infrastruktur und der Wirtschaft sorgen. Allen gewählten Bürgermeistern, Gemeindevorstehern, Ratsmitgliedern auf Gemeinde- , Landkreis- und Woiwodschaftsebene möchten wir auf diesem Weg unsere besten Wünsche zugunsten unser kleinen Heimat übermitteln.

Weitere Informationen finden Sie auch unter http://www.mniejszoscniemiecka.eu/

Auch in Zukunft maßgeblicher rechtlicher Rahmen für
Aufnahme, Eingliederung und Kulturerhalt

(BdV) – Vor 65 Jahren, am 5. Juni 1953, trat das Bundesvertriebenen- und Flüchtlingsgesetz (BVFG) in Kraft. Zusammen mit dem Lastenausgleichsgesetz (LAG) war es eine der dringend notwendigen, gesetzlichen Weichenstellungen in der jungen Bundesrepublik Deutschland, mit denen der Weg in eine sichere und friedliche Zukunft eingeschlagen wurde.

BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius erklärt zum Jubiläum: „Es ist aus heutiger Sicht bemerkenswert, mit wie viel Weitsicht die damals bestehenden, insbesondere sozialen Probleme der deutschen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge angegangen wurden. Das BVFG wurde zum maßgeblichen rechtlichen Rahmen für die politische und gesellschaftliche Eingliederung von Millionen Entwurzelten. Gleichzeitig gelang es, einen tragfesten Grundstein für den Erhalt und die Weiterentwicklung deren Kultur zu legen.“

Erfolgreich sei die Geschichte des BVFG auch deshalb, weil der Gesetzgeber es – oft auf und mit dem Ratschlag der Vertriebenen, Aussiedler und ihrer Verbände – immer wieder wechselnden Gegebenheiten angepasst habe.

„Der BdV setzt sich nach wie vor dafür ein, dass mit dem BVFG die ohnehin vorhandenen, starken Eigeninitiativen der Spätaussiedler zu ihrer Eingliederung auch zukünftig durch gute Rahmenbedingungen unterstützt werden“, bekräftigt Fabritius.

Noch stärker müssten außerdem Geschichte und Kultur der deutschen Heimatvertriebenen und Spätaussiedler, aber auch das deutsche Kulturerbe in den Heimat- und Siedlungsgebieten in Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa sowie in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion als identitätsprägender Teil deutscher Kultur verstanden werden.

„Diese Schätze zu bewahren und die Kulturarbeit der Vertriebenen und Spätaussiedler zu fördern und fortzuentwickeln, bleibt im gesamtgesellschaftlichen Interesse“, so der BdV-Präsident abschließend.

Die Pressemitteilungen des Bundes der Vertriebenen sind zur Information, zur redaktionellen Verwertung bzw. zur Veröffentlichung bestimmt. Beiliegende Fotos dienen ebenfalls zur redaktionellen Verwertung bzw. zur Veröffentlichung. Bitte beachten Sie die Urhebernennung. Sollten Sie weitere Fotomotive wünschen oder Rückfragen zum Text haben, sprechen Sie uns unter den genannten Kontaktdaten an. Sollten Sie eine weitere Zusendung unserer Pressemitteilungen ablehnen, teilen Sie uns dies bitte unter den genannten Kontaktdaten mit. Weitere Auskünfte erteilt die Pressestelle.

Die sudetendeutsche Frage hat sich dank generöser Nachsichtigkeit der Opfer von selbst erledigt

Bernd Posselt will kein Mann der Vergangenheit sein. Also spricht der Chef der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) vom Gaza-Konflikt. Beim Sudetendeutschen Tag, zu dem am Pfingstwochenende auch viele Heimatvertriebene aus Österreich nach Augsburg gekommen sind, erzählt der ehemalige CSU-Europaabgeordnete, für den es 2015 nicht mehr für ein Mandat gereicht hat, von dem Palästinenser, der neben seinem Enkel sitzend sagt: „Ich werde alles tun, dass dieser Bub und auch noch seine Kinder mit der Waffe für unsere Heimat kämpfen bis zum Sieg.“ Friedensauftrag Dann dankt Posselt „unseren Eltern, Großeltern und Urgroßeltern“, dass sie aus dem Grauen des Weltkrieges und der Vertreibung eine andere Schlussfolgerung gezogen haben. Nämlich: „Wir müssen mit diesem Teufelskreis aus Hass, Gewalt und Gegenhass und Gegengewalt ein Ende machen.“ Und Posselt spricht von der Aufgabe, „grenzüberschreitend Frieden zu stiften mit den Nachbarn — als Vorbild für andere“. Dieser großen Aufgabe ist alles untergeordnet. Zur Not auch Recht und Gerechtigkeit.

Vor drei Jahren strich die SL jene Passagen aus ihrer Satzung, die eine „Wiedergewinnung der Heimat“ und „Restitution oder gleichwertige Entschädigung“ zum Ziel erklärt hatten. Nicht allen Sudetendeutschen gefiel das. Einige verhindern mit Klagen bis dato die Eintragung der neuen Satzung ins Vereinsregister, weshalb formal noch immer die alte gilt. Aber Posselt lässt sich davon nicht beirren. Er tut so, als wäre die neue Satzung schon gültig. Und die Politik tut auch so. Vorbei sind die Zeiten, da sie sich verpflichtet fühlen musste, Prag mit der sudetendeutschen Frage zu nerven. Die Aufhebung der Benes-Dekrete, auf deren Grundlage nach 1945 mehr als drei Millionen Sudetendeutsche enteignet und vertrieben, sowie Zehntausende ermordet worden waren, ist kein Thema mehr.

Edmund Stoiber hatte als bayerischer Ministerpräsident noch eine Reise nach Prag verweigert, solange diese Dekrete und ein die Morde straffrei stellendes Gesetz nicht aufgehoben wären. Der heutige Ministerpräsident Markus Söder erhebt diese Forderung bei seinem ersten Auftritt vor den Sudetendeutschen nicht. Nur der subaltere Innenstaatssekretär Stephan Mayer (CSU) erklärt, dass die Benes-Dekrete „nicht in ein Europa der Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und des Friedens gehören“. Auch in den Reden des SL-Chefs kommt der Begriff „Benes-Dekrete“ nicht vor. Warum sollte die Politik mehr fordern als die Sudetendeutschen selbst? Auch beim Besuch des tschechischen Premiers Milan Babis vorigen Freitag in Wien spielte das einst konfliktträchtige Thema keine Rolle. Die sudetendeutsche Frage ist zwar nicht gelöst, aber abgehakt, weil die Sudetendeutschen generös auf Wiedergutmachung und die Aufhebung der Unrechtsdekrete verzichtet haben.

Zu diesem Versöhnungskurs passt der diesjährige Karlspreisträger: Christoph Kardinal Schönborn. Der als Säugling selbst mit seiner Familie aus der Tschechei Vertriebene betonte schon vor der Preisverleihung, er und seine Angehörigen hätten „sich nie über die Vertreibung definiert und schon gar nicht über Wut und Zorn gegen die, die uns vertrieben haben“. In seiner Dankesrede nennt der Wiener Erzbischof die Vertreibung zwar Unrecht, fragt aber zugleich, ob die Vertriebenen nicht das „bessere Los“ gezogen hätten, weil ihnen der Kommunismus erspart blieb. „Lasst niemals zu, dass die Vergangenheit euer Leben bestimmt. Blick immer nach vorne“, rät Schönborn und man fragt sich, ob er das auch Nazi-Opfern ins Gesicht sagen würde.

Der Sudetendeutsche blickt eh nach vorn, war nie Revoluzzer oder gar Terrorist, was der Politik die „Lösung“ eines Problems durch Aussitzen ermöglichte. Das verdient Anerkennung. Eine Geste der Dankbarkeit wäre ein gutter Platz für Posselt auf der CSU-Liste für die EU-Wahl 2019. Denn der will kein Mann der Vergangenheit sein.

Erika Steinbach gibt den Vorsitz der Stiftung ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN ab Dr. Christean Wagner tritt die Nachfolge an

Die langjährige Vorsitzende der Stiftung ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN, Erika Steinbach, gibt auf eigenen Wunsch den Vorsitz der Stiftung ab. Der frühere hessische Kultus- und Justizminister Dr. Christean Wagner löst Erika Steinbach an der Spitze der Stiftung ab. Der CDU-Politiker und Jurist, der im ostpreußischen Königsberg geboren ist, war und ist den Anliegen der Heimatvertriebenen stets verbunden.

Wagner dankte Erika Steinbach für ihren nunmehr seit 18 Jahren unermüdlichen Einsatz für die Stiftung, die sie im Jahre 2000 gegründet hat: „ Aus dem Geist der Versöhnung entstanden, hat die Stiftung in den vergangenen fast zwei Jahrzehnten Beachtliches erreicht. Neben zahlreichen Veranstaltungen sind die vier Ausstellungen „Erzwungene Wege“, „Die Gerufenen“, „Angekommen“ und „Verschwundene Orte“ im ganzen Land unterwegs. Eine neue Ausstellung zum Thema „Deutsche Zivilisten in Lagern und Zwangsarbeit hinter dem Eisernen Vorhang während und nach dem Zweiten Weltkrieg“ wird vorbereitet. Unter großem persönlichen Einsatz hat Erika Steinbach – auch mit Unterstützung des früheren SPD-Bundesgeschäftsführers Peter Glotz bis zu dessen Tod – die Arbeit der Stiftung vorangetrieben und mit Ideenreichtum, Kreativität und Hingabe für die Anliegen der Stiftung gewirkt. Durch gute Argumente und Beharrlichkeit wurde das ZENTRUM zur Initialzündung für die Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“. Erika Steinbach hat sich um das ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN große Verdienste erworben.“

Der neue Vorsitzende betonte, die Stiftung in dieser Kontinuität, im Geiste der Versöhnung und der Bewusstseinsschärfung gegen Menschenrechtsverletzungen durch Vertreibung und Deportation fortführen zu wollen.

Die Stiftung ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN hat sich zur Aufgabe gemacht, in einem Gesamtüberblick das Schicksal der mehr als 15 Millionen deutschen Deportations- und Vertreibungsopfer aus ganz Mittel-, Ost- und Südosteuropa mit ihrer Kultur und ihrer Siedlungsgeschichte genauso erfahrbar zu machen wie das Schicksal der 4 Mio. deutschen Spätaussiedler. Dabei wird auch an Vertreibung und Genozid an anderen Völkern, insbesondere in Europa, erinnert. Zu den Stiftungsaufgaben gehört auch die Verleihung des Franz-Werfel-Menschenrechtspreises, mit dem Persönlichkeiten oder Organisationen ausgezeichnet werden, die sich gegen die Verletzung von Menschenrechten, gegen Völkermord, Vertreibung und die bewusste Zerstörung nationaler, ethnischer oder religiöser Gruppen gewandt haben. Der Preis wird alle zwei Jahre, so auch 2018 wieder, verliehen.

Traditionell findet am 3. Advent in der evangelischen Kirche am Prospekt Mira 101 jedes Jahr ein deutschsprachiger Gottesdienst mit anschließendem Klassikkonzert des Königsberger Philharmonischen Orchesters, unter Leitung von Arkadi Feldmann, statt. Unterstützt werden das Konzert und das anschließende Weihnachtsbuffet durch das deutsche Generalkonsulat in Königsberg. Seit 2014 ist es zu einer guten Tradition geworden, dass der stellvertretende deutsche Generalkonsul Max Müller mit lateinischen Gesängen die anwesenden Gläubigen und Zuhörer erfreut.

Die Fußball-WM im Juni 2018 in Russland wirft medial ihre Schatten voraus. Einige Spiele werden in Ostpreußens Hauptstadt durchgeführt. Während die russische Hauptstadt Moskva, die seit ihrer Gründung russisch besiedelt ist und nie eine angestammte deutsche Volksgruppe hatte, in den Medien meist eingedeutscht „Moskau“ bezeichnet wird, wird die seit ca. 800 Jahren deutsch besiedelte Hauptstadt Ostpreußens Königsberg ausschließlich mit dem russischen Kunstnamen Kaliningrad bezeichnet. Obwohl selbst die nun überwiegend einheimischen Russen umgangssprachlich gerne den Ausdruck „Kenig/Кёниг“ verwenden! Der russifizierte Name – wenn auch nicht amtlich – lautet Кёнигсберг und wird vor Ort ebenfalls gebraucht.

Aber für die deutschsprachigen Medien ist es eine gewaltige „Belastung“, diese Stadt im Zuge der WM häufig erwähnen zu müssen. Um diese erträglicher zu machen, vermeiden sie jedweden Bezug auf den Namen Königsberg und auf die Provinz Ostpreußen. Auch für nähere Bindungen des ca. 40%-Anteils an Europa haben die meisten Politiker hierzulande wenig übrig (dzt. gibt es vom südl. ins mittlere Ostpreußen nicht einmal einen fahrplanmäßigen Zug, nur 3 Buspaare/Tag. Ebensowenig zwischen dem mittl./russ. und nördl./litauischen Teil)…

Peter Baalmann im Sudetendeutschen Pressedienst (SdP) vom 4.12.2017

Die Frist zur Beantragung einer Anerkennungsleistung für ehemalige zivile deutsche Zwangsarbeiter endet am 31. Dezember 2017.

Im Jahre 2015 entschied der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages auf Initiative der Union, ehemaligen zivilen deutschen Zwangsarbeitern eine symbolische Anerkennungsleistung in Höhe von einmalig 2.500 Euro zukommen zu lassen. Die Frist zur Beantragung dieser Anerkennungsleistung endet am 31. Dezember 2017. Anträge, die später beim Bundesverwaltungsamt eingehen, können nicht mehr positiv beschieden werden.

Antragsberechtigt sind zivile deutsche Staatsangehörige oder Volkszugehörige, die kriegs- bzw. kriegsfolgenbedingt von ausländischen Mächten zwischen dem 1. September 1939 und dem 1. April 1956 zur Zwangsarbeit herangezogen wurden. Darüber hinaus antragsberechtigt sind Erben der ehemaligen Zwangsarbeiter, deren Angehörige nach dem Beschluss des Haushaltsgesetzes durch den Deutschen Bundestag am 27. November 2015 verstorben sind. Anträge sind bis zum 31. Dezember 2017 an das Bundesverwaltungsamt, Außenstelle Hamm, Alter Uentroper Weg 2, 59071 Hamm zu richten. Nähere Informationen sind unter der Servicetelefonnummer +49 (0)228 –99 358 – 98 00 oder im Internet unter www.bva.bund.de/zwangsarbeiter erhältlich.

Die Umsetzung dieser langjährigen politischen Forderung der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten im Deutschen Bundestag schließt eine seit langem bestehende Gerechtigkeitslücke. Das große Leid, das viele Zivilpersonen aufgrund ihrer deutschen Staats- oder Volkszugehörigkeit in Folge des Zweiten Weltkrieges unverschuldet zu ertragen hatten, erfährt auf diese Weise eine symbolische Anerkennung und ist eine wichtige Geste der Wertschätzung für diese große Opfergruppe.

In der aktuellen Ausgabe der tschechischen Tageszeitung „Mf dnes“ wird der berühmten sudetendeutschen Industriellenfamilie Schicht aus Aussig/Ustí nad Labem eine ganze Seite gewidmet.

Gründer der Firma war Georg Schicht (1820-1887), der später als „Seifenkönig“ in die Geschichte eingehen sollte. Weniger bekannt ist hingegen, dass Schicht in Aussig auch ein Automobil der Marke „Schreckenstein“ herstellen wollte, es kam aber letztlich nur zum Bau von drei Prototypen.

Die Erben Schichts wurden im Zuge der Beneš-Dekrete 1945 enteignet. Heinrich Schicht starb kurz danach im Schweizer Exil. Dagegen entschied sich sein Bruder Georg bereits vor dem Krieg für das Exil in Großbritannien.

Bis heute leben Nachkommen beider Familienzweige im Ausland, aber niemand von ihnen widmet sich mehr der Seifenherstellung – es war schon früher zu einer Fusion mit dem Weltkonzern Unilever gekommen.