Man konnte es lange beobachten. Erst traf es Berlin, dann die Randbezirke, dann die Speckgürtel. Jetzt ist Brandenburg dran. Strausberg, eine Kleinstadt, die einmal für Ruhe und Verlässlichkeit stand, liefert nun Schlagzeilen, die man früher mit ganz anderen Orten verband. Ein Mann von einem Afghanen erstochen vor einem Mehrfamilienhaus. Täter festgenommen. Der Satzbau ist immer gleich, die Orte wechseln nur noch.
Am Dienstagabend gegen 19.45 Uhr kam es in Strausberg im Landkreis Märkisch-Oderland zu einer tödlichen Messerattacke. Vor einem Mehrfamilienhaus an der Straße Am Annatal griff ein 37-jähriger Afghane einen 44-jährigen Syrer an und verletzte ihn schwer im Bauchbereich. Das Opfer wurde in ein Berliner Krankenhaus gebracht, wo es wenig später starb. Der Tatverdächtige konnte noch am Einsatzort in einer Wohnung festgenommen werden. Die Hintergründe der Tat sind bislang unklar.
Wer wissen will, wie gesellschaftliche Veränderungen funktionieren, muss nur auf die Landkarte schauen. Sie kommen nicht mit einem Knall, sondern mit einer Verschiebung. Erst wird das Problem zur Großstadt erklärt. Dann heißt es, es handele sich um Einzelfälle. Irgendwann liest man die gleichen Meldungen in Regionen, die sich lange sicher wähnten. Genau an diesem Punkt steht Brandenburg.
Die neue Normalität
Das eigentlich Beunruhigende ist nicht einmal die Tat selbst. Gewalt hat es immer gegeben. Neu ist die Häufung und die auffällige Gleichförmigkeit der Fälle. Messer, spontane Eskalation, unklare Motive. Und danach das bekannte Ritual: Ermittlungen laufen, Hintergründe werden geprüft, mehr lässt sich derzeit nicht sagen.Der Bürger liest das, legt die Zeitung zur Seite und denkt sich seinen Teil. Offiziell bleibt vieles im Ungefähren. Inoffiziell wächst ein Gefühl, das sich nicht mehr wegdiskutieren lässt. Die Sicherheit, die einmal selbstverständlich war, ist es nicht mehr.
Die politische Reaktion folgt ebenfalls einem bekannten Muster. Betroffenheit, der Verweis auf Einzelfälle, gelegentlich der Ruf nach „mehr Prävention“. Was ausbleibt, ist eine ehrliche Analyse. Wer stellt die Frage, warum sich solche Taten häufen? Wer spricht offen über Fehlentwicklungen in der Migrations- und Sicherheitspolitik?
Stattdessen wird verwaltet. Man hofft, dass sich die Lage irgendwie beruhigt. Doch genau das passiert nicht. Die Probleme wandern weiter, von der Großstadt ins Umland, von Berlin in die Mark. Was gestern noch als Ausnahme galt, wird heute zur Gewöhnung. Ein funktionierender Staat erkennt Probleme früh und handelt. Ein dysfunktionaler Staat erklärt Probleme so lange weg, bis sie nicht mehr zu übersehen sind. Brandenburg steht an dieser Schwelle. Wer weiterhin so tut, als habe das alles nichts miteinander zu tun, wird bald feststellen, dass sich Zustände nicht lokal begrenzen lassen. Was einmal entstanden ist, breitet sich aus.
Fazit
Noch ist die Lage kontrollierbar, noch kann gegengesteuert werden. Aber dafür braucht es politischen Willen und die Bereitschaft, unbequeme Fragen zu stellen. Ein sicheres Land fällt nicht vom Himmel. Es ist das Ergebnis klarer Regeln, konsequenter Durchsetzung und einer Politik, die Probleme benennt, bevor sie eskalieren. Wer damit zu lange wartet, bekommt am Ende genau das, was man eigentlich vermeiden wollte: Zustände, die sich nicht mehr zurückdrehen lassen.
