Nun ist er also gegangen. Mit 96 Jahren ist Jürgen Habermas in Starnberg verstorben, und das offizielle Deutschland verfällt in eine Schockstarre, als sei gerade das Orakel von Delphi verstummt. Man wird in den nächsten Tagen viel über den „Weltphilosophen“ lesen, über den „Giganten des Geistes“ und den „Retter der Demokratie“. Doch wer den Trümmerhaufen betrachtet, den die deutsche Debattenkultur heute darstellt, kommt an einer anderen Diagnose nicht vorbei: Habermas war nicht der Retter des Denkens, er war sein erfolgreichster Bestatter.
Kein anderer hat die Bundesrepublik so gründlich umerzogen wie dieser ehemalige Jungvolkführer, der nach 1945 seine Berufung darin fand, den Deutschen das Rückgrat zu brechen, indem er ihnen einredete, Heimatliebe sei eine Vorstufe zum Verbrechen. Er erfand den „Verfassungspatriotismus“ – eine intellektuelle Krücke für Leute, die sich vor dem eigenen Volk ekeln. Es ist die Philosophie gewordene Angst vor der eigenen Identität, verpackt in Sätze, die so verschachtelt sind, dass man drei Semester Studium braucht, um zu merken, dass am Ende gar nichts drinsteht.
Die Herrschaft der Schwätzer
Sein größtes Verbrechen am deutschen Geist war jedoch die „Theorie des kommunikativen Handelns“. Was nach Emanzipation klang, war in Wahrheit die Geburtsstunde jener Diskurs-Tyrannei, unter der wir heute leiden. Habermas versprach den „herrschaftsfreien Dialog“, meinte aber ein geschlossenes System, in dem nur der mitreden darf, der die richtigen Vokabeln benutzt. Wer nicht „habermast“, fliegt raus.
Er hat Generationen von Lehrern, Professoren und Journalisten darauf abgerichtet, das Handeln durch das Reden zu ersetzen. Wir verdanken ihm jenen Typus des ungenießbaren Oberstudienrats, der jedes Problem so lange in Arbeitskreisen zerredet, bis die Realität vor Erschöpfung aufgibt. Dass Deutschland heute eine „Abbruchhalde des Denkens“ ist, auf der man lieber über Gendersprache streitet als über Brückenbau, ist sein direktes Erbe. Er hat den Marxismus salonfähig gemacht, indem er ihn in eine verquaste Kommunikationslehre goss, die heute als moralische Keule gegen jeden geschwungen wird, der noch einen Rest gesunden Menschenverstand besitzt.
Der Zensor von Starnberg
Habermas war der oberste Sittenwächter dessen, was in diesem Land noch „sagbar“ sein durfte. Im Historikerstreit der achtziger Jahre schwang er sich zum Richter über die deutsche Geschichte auf. Wer es wagte, die Vergangenheit nicht ausschließlich durch die Brille der ewigen Schuld zu betrachten, wurde von ihm als „apologetisch“ gebrandmarkt. Er hat die moralische Erpressung zum Staatsprinzip erhoben.
Selbst die Wiedervereinigung war ihm suspekt. Während die Menschen in Leipzig und Dresden für ihre Freiheit auf die Straße gingen, sorgte sich der Herr Professor in seinem Starnberger Elfenbeinturm um die „universalistischen Regeln“. Er hatte mehr Angst vor einem einigen Deutschland als vor der kommunistischen Diktatur. Das sagt eigentlich alles über seine Liebe zu diesem Land aus.
Fazit
Jürgen Habermas hat das Land der Dichter und Denker in ein Land der Schwätzer und Zensoren verwandelt. Er hat das Denken vernebelt und den Diskurs zur Waffe gegen das eigene Volk umgeschmiedet. Dass er nun verstorben ist, markiert das Ende einer Ära, in der man mit unverständlichem Kauderwelsch zur moralischen Instanz aufsteigen konnte. Man muss ihm nicht nachweinen. Wer wissen will, was Habermas angerichtet hat, muss nur den Fernseher einschalten und einer beliebigen Talkshow lauschen: Viel Lärm um nichts, moralische Überheblichkeit und die totale Unfähigkeit, die Wirklichkeit beim Namen zu nennen. Das ist sein wahres Denkmal. Und wir alle zahlen den Preis dafür.
